Man wird bescheiden – Gedankensplitter

Man wird bescheiden.
Nach Jahren des Sturms und des Drangs.
Als man forderte.
Vom Schicksal.
Vom Leben.
Lautstark.
Ich will!
Ich will alles!
Hier und jetzt.
Sofort!
Man schreit es immer wieder.
Und muss doch erkennen.
Je zorniger man wird.
Je nachhaltiger man fordert.
Umso mehr erkennt man seine Grenzen.
Man muss sie akzeptieren.
Und zurückstecken.
Sonst schlägt man sich den Kopf an.
Immer wieder.
Man kämpft gegen Windmühlen.
Versucht Mauern einzurennen.
Man schreit und tut sich selber Leid.
Pflegt seine Schrammen und Blessuren.
Bis man begreift…
War es das alles wert?

Man wird bescheiden.
Schaltet ein paar Gänge zurück.
Backt kleinere Brötchen.
Man wird ruhiger.
Und man schweigt öfter.
Und man fordert nicht mehr…
Man nimmt was kommt.
Dankbar.
Fast bescheiden.
Man freut sich an den kleinen Dingen.
An einer lauschigen Mondnacht.
An einem Spaziergang im Grünen.
Natürlich hat man noch Träume.
Ganz verschämt.
Bisweilen packt man sie aus.
Im Stillen.
Betrachtet sie versonnen.
Und legt sie wieder zurück…
Man wird bescheiden.
Manchmal kommt es nicht.
Das große Glück.
Das man sich so erhofft hat.
Man erwartet sich nichts mehr.
Gar nichts.
Und wenn sich ein kleiner Traum doch einmal erfüllt.
Dann ist das fast wie ein Wunder.
Man wird bescheiden.
Und das ist gut so…

Vivienne/Gedankensplitter

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