Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  Oktober 2004



Gedanken zur Erotik

Erotik.
Ein viel bemühter Begriff.
Erotikthriller.
Basic Instinct.
Meist viel nacktes Fleisch.
Menschen – bei der Kopulation beobachtet.
Schöne Körper.
Stöhnen.
Schreien.
Wie echt, weiß man nie.

Aber ist das eigentlich noch Erotik?
Hat das noch mit Erotik zu tun?
Offen gesagt, nicht.
Erotik ist etwas ganz anderes.
Erotik  muss nicht einmal notwendigerweise immer mit Sex zu tun haben.
Erotik gehört auch zum Gefühlsleben.
Neben der bloßen sexuellen Basis.
Beschreibt auch die Spannung zwischen zwei Menschen, die sich voneinander angezogen fühlen.
Durchaus sexuell.
Wie formulierte es Greta Garbo im Filmklassiker „Ninotschka“?
Zu ihrem Filmpartner Melvil Douglas jun.?
Chemisch gesehen streben wir bereits eine Verbindung an
Das ist die treffende wie trockene Beschreibung purer Erotik im Jahre 1939.

Aber viele erotische Filme oder Geschichten schmücken sich mit diesem Attribut.
Erotisch…
Aber wenn man liest oder konsumiert.
Eigentlich nur eine Aneinaderreihung verschiedener Kopulationsformen.
Menschen, die sich nie zuvor gesehen haben, harmonieren wie sexuell wie vertraute Partner.
Wissen, wo sie sich anfassen müssen, um den anderen zu höchsten Freuden zu verhelfen.
Zögern den Höhepunkt über Stunden hinaus.
Wechseln die Stellungen gekonnt, als gäbe es keine Scheu zwischen zwei „Neulingen zueinander“.
Ungeachtet dessen, dass man sich „kennen lernen“ muss, um zu harmonieren.
Auch sexuell.
Manchmal besser, manchmal weniger gut.
Aber die Übung kommt normalerweise mit der Praxis.
Das ist die Realität.

Solche Geschichten mögen also manchmal ganz nett sein.
Die Fantasie beflügeln.
Ein angenehmes Kribbeln im Bauch verschaffen.
Bisweilen.
Mit Erotik im eigentlichen Sinn haben sie nichts zu tun.
Oder nur sehr wenig.
Im Lexikon finden sich zwei Erklärungen zu Erotik.
Der Begriff kommt aus dem Griechischen.
„Liebeskunst“ ist die eine Erläuterung.
„Prickelnde Sexualität“ die andere.
Also sicher nicht notwendigerweise eine Aneinanderreihung von Kopulationstechniken.
Vor allem nicht allein.
Vor allem nicht mit Hauptaugenmerk auf nackten Brüsten, schwellendem Penis oder knackigem Po.
Man kann eine ganze Nacht mit einem Mann schlafen.
Oder mit einer Frau.
Und jedes Mal zum Höhepunkt kommen.
Dennoch ist kein Gefühl dabei.
Keine Erotik.
Irgendwie nur wie schal gewordener Sekt.
Erotik ist der Champagner.
Er erhebt den Geschlechtsakt über das normale Maß hinaus.
Macht ihn unvergesslich.
Zu etwas besonderem.
Liebeskunst…

Anders ist er nicht mehr als eine Turnübung.
Man „kommt“.
Und doch nicht wirklich.
Aber bei einer tieferen Anziehung sind Geist und Körper eins.
Eine Spannung, die auf beide übergeht und sie beherrscht..
Verzaubert.
Drum lese ich auch kaum mehr erotische Geschichten.
Und im Fernsehen zippe ich weg, wenn ein „erotischer Film“ läuft.
Das alles befriedigt mich nicht.
Nicht wirklich.
Lieber pflege ich im Kopf meine erotischen Fantasien.
Erotik spielt sich einfach viel im Kopf ab.
Weniger im Körper allein.
Und meine „eigenen Filme“ sind mir immer noch die liebsten…

Vivienne

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