von Vivienne – Februar 2005
Sie ist wieder da…
Sie ist wieder da.
Die Erinnerung.
Ich hatte sie ganz gut verdrängt.
Nach außen hin.
Mir selbst etwas vorgemacht.
Innerlich wucherte sie weiter.
Wie ein böses Gewächs.
Und heute ist sie wieder aufgeblüht.
Wie eine scheußliche Blume.
Wie eine üble Krankheit.
Mir ist schlecht.
Ich möchte kotzen.
Alles ist so lebendig.
Fast Echtzeit.
Fast als wäre es gestern erst passiert.
Gestern
Ist es nicht fast vier Jahre her?
Dass es anfing
?
Und dennoch bin ich noch nicht darüber hinweg.
Nicht völlig.
Möchte mir meine schlechten Gefühle aus dem Leib kotzen.
Die Demütigung.
Die Lügen.
Die vielen Lügen.
Die Berechnung.
Die Anmaßung.
Die Selbstgerechtigkeit.
Die infame Intrige.
Von ach so hilfreich sein wollenden Menschen
Übler als eine Krebsgeschwulst.
Mit Metastasen.
Und du warst eine davon
Heute fand ich dich zufällig.
Im Telefonbuch.
Und ein Strudel riss die alten Wunden auf.
Ich frage mich, wie es dir geht.
Und wünsche mir, dass du leidest.
Dass du mit dem Leben nicht zurecht kommst.
So wie früher auch.
Du hast mich nur benutzt.
Ausgenutzt.
Behandelt wie ein Stück Dreck.
Ich war nur Mittel zum Zweck.
Balsam für deinen minderen Selbstwert.
Endlich jemand
auf den du herabsehen konntest.
Oder?
Ich halte inne in meinen Gedanken.
Die Übelkeit füllt mich aus wie ein Ballon.
Als würde ich gleich zerbersten.
Ich atme schwer.
Und öffne das Fenster.
Die Luft tut mir gut.
Und lasse die Erinnerung weiter wüten.
Ich habe plötzlich wieder Husten.
Allergischen Husten.
So wie damals.
Ich werde ihn nicht los.
So wie diese Geschichte.
Ich breche dir das Genick!
Für alles!
Hundert mal habe ich mir das geschworen.
Hundert mal habe ich meine kleinen Fäuste dabei geballt.
Und dich verflucht.
Dich minderwertigen Charakter.
An den ich einmal geglaubt habe
Nach einer halben Stunde stehe ich noch immer am Fenster.
Die Übelkeit ist weg.
Der Husten hat sich beruhigt.
Der Wind streicht an mein Gesicht.
Er ist kalt.
Und feucht.
Ein paar Schneeflocken.
Ich atme laut.
Schließe das Fenster.
Und horche in mich hinein.
Nein.
Du bist nicht mehr Herr meiner Emotionen.
Du nicht!
Du bist es nicht wert.
Ich habe jemand Besseren verdient.
Jemand viel Besseren.
Das weiß ich längst.
Ich war viel zu gut für dich.
Was immer du mir angetan hast.
Nein, du bist es nicht Wert.
Dass ich mich aufrege.
Und mich noch immer schlecht fühle.
Bisweilen zumindest.
Nach so langer Zeit.
Nicht du!
Niemals
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