Niemand – Gedankensplitter

Hey!
Was starrt ihr mich alle so an?
Ihr glotzt ja richtig.
Man könnte fast meinen.
Ihr seht ein Kalb mit zwei Köpfen.
Dabei ist nichts.
Gar nichts.
Und das bisschen Blut an meiner Hand…
Das darf euch nicht irritieren.
Nichts ist passiert.
Nichts, das erwähnenswert wäre.
Also seht mich nicht so an!
Nicht ich bin das Monster.
Er ist es!
Er!
Dort drüben liegt er.
Aber er rührt sich nicht mehr.
Gott sei Dank.
Und jetzt lasst mich gehen.
Hey.
Lasst mich los!
Ich habe nur getan.
Was getan werden musste.
Ich habe mich gewehrt.
Hört ihr?
Ich habe mich gewehrt!
Niemand mehr fasst mich an!
Niemand!

Ich sagte doch.
Lasst mich endlich gehen!
Was fällt euch ein?
Ich habe nichts falsch gemacht.
Gar nichts.
Er hat mich nicht in Ruhe gelassen.
Er war hinter mir her!
Er!
Und ich habe es ihm gezeigt.
So nicht!
Nicht mit mir!
Keiner kommt mir mehr zu nahe!
Keiner mehr tut mir weh!
Und ich hatte Angst.
Große Angst.
Ich spürte seinen Atem im Nacken.
Und seine Hand auf meiner Schulter…
Ich konnte nur mehr daran denken.
An das, was damals passiert ist.
An diesen anderen Mann.
Der über mich hergefallen ist.
Der mich genommen hat.
Mit Gewalt.
Obwohl ich so geschrieen habe.
Obwohl ich ihn um Gnade bat.
Er hat mich nicht mehr los gelassen.
Eine ganze Nacht lang…
Ich wollte damals sterben.
So furchtbar war es…

Versteht ihr nun?
Keiner macht das mehr mit mir!
Keiner.
Und jetzt will ich wirklich gehen.
Ich musste mich doch wehren!
Oder?
Ihr müsst mir Recht geben!
Die Angst war so stark.
So stark wie in jener Nacht.
Und ich konnte nicht anders.
Wenigstens hatte ich das Messer bei mir.
Gott sei Dank!
Damit hat er nicht gerechnet!
Und darum liegt er jetzt dort.
Und rührt sich nicht mehr.
Er wird keine mehr angreifen.
Nein.
Niemand wird mich mehr angreifen!
Nicht, wenn ich selbst es nicht will!
Niemand tut mir mehr weh!
Niemand tut mir Gewalt an!
Nie mehr!
Niemand!
Hört ihr mich?
Niemand!

Vivienne/Gedankensplitter

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