Weihnachtsmarkt.
Um die Mittagszeit.
Und ich suche zwischen den Ständen meinen Weg.
Ich habe Zeit…
So viel Zeit…
Graupelschauer setzt ein.
Und ich flüchte unter ein Dach.
Dabei ist es recht warm.
Für Dezember halt…
Lang bleibe ich nicht stehen.
Lieber gehe ich weiter.
Rücke meine Kappe zurecht.
Und atme den Lebenshauch des Marktes.
Ein wenig Punsch.
Ein wenig geröstete Nüsse.
Weihrauch und Duftöle.
Immer irgendwie anders.
Aber unverwechselbar.
Ich liebe diesen Duft.
Fast sehnsüchtig…
Der Graupelschauer ist vorüber.
Es regnet noch leicht.
Ich plaudere mit einer der Standbesitzerinnen.
Ich kenne sie schon lange.
Jung ist sie geblieben.
Im harten Gewerbe.
Jeden Advent in der Kälte.
Seltsam vertraut ist sie mir geworden.
In all den Jahren.
Manchmal macht sie mir kleine Geschenke.
Und wir verstehen uns.
Eine seltsame Bindung.
Ich vermag sie nicht zu erklären.
Vielleicht sind es die Bernsteine.
Sie bietet sie an.
Als Ringe und Anhänger.
Als Ketten und Ohrringe…
Es zieht mich hin zu diesem Stand.
Immer wieder.
Zu den Bernsteinen.
Zu der Frau.
Vielleicht ist es einfach die Atmosphäre.
Die so magisch wirkt.
Die Frau ist nicht hart geworden.
Nicht wie andere Standler, die ich gesehen habe.
Das Geschäft ist ihr nicht so wichtig.
Sie liebt die Arbeit.
Und die Menschen.
Und das seit fast dreißig Jahren…
Sie ist jung geblieben dabei…
Da!
Die Frau zeigt nach vorne.
Ein Regenbogen!
Ich drehe mich zur Seite.
Suchend.
Und kann es fast nicht glauben.
Der Regen ist stärker geworden.
Mir ist es nicht aufgefallen.
Ins Gespräch vertieft.
Die Sonne hat dennoch die Wolken beiseite geschoben.
Ein Regenbogen wölbt sich über den Linzer Hauptplatz.
Wie eine bunte Kuppel.
In fröhlichen Farben.
Und das im Dezember…
Ein paar Farbkleckse in den trüben Alltag.
Wie ein Aquarell fast…
Ich nicke der Frau zu.
Langsam gehe ich wieder weiter…
Und ich muss lächeln…
Vivienne/Gedankensplitter