Ich bin tropfnass.
Regen.
Er fließt über mein Gesicht.
Über die Haare.
Tropft von der Nase.
Alles ist nass.
Alles an mir.
Und ich haste über die Straßen.
Krame in der Tasche.
Nach meinem Schlüssel.
Ich sperre meine Wohnungstür auf.
Und laufe ins Bad.
Trockne mein Gesicht ab.
Dann setz ich mich nieder.
Gedankenverloren.
Kühl ist es geworden.
Und es regnet noch immer.
Immer stärker.
Der Himmel.
Grau in Grau.
Und die Fenster?
Ich schüttle den Kopf.
Hab ich sie gestern nicht geputzt?
Man merkt nichts mehr davon…
Eine halbe Stunde später.
Die Haare habe ich trocken gerubbelt.
Ich liege auf der Couch.
Im Pyjama.
Zugedeckt mit einer Flauschdecke.
Vor mir eine Tasse Kaffee…
Ich starre in die Luft.
Ich denke nach.
Dass mir der Kaffee nicht mehr so schmeckt…
Früher trank ich oft fünf Tassen am Tag.
Heute bleibt schon mal eine Tasse stehen.
Halb leer.
Und ich frage mich.
Wieso…?
Vielleicht lebe ich ja bewusster.
Ich esse ja auch nur mehr.
Was ich will.
Und wie viel ich will.
Und mein Körper sagt vielleicht.
Fünf Tassen sind zu viel…
Dann muss ich grinsen.
Krause Gedanken.
Die ich da spinne.
Ganz kraus.
Vielleicht ist es ganz etwas anderes.
Im Sommer mag ich einfach weniger Kaffee.
Weil er heiß ist…
Denn eines weiß ich ganz sicher.
Ich esse weniger.
Sehr viel weniger.
Aber gesund?
Nein, das sicher nicht…
Wieder eine halbe Stunde später.
Ich suhle mich in einem Schaumbad.
Ein Teelicht brennt.
Und aus dem Radio tönt fröhliche Musik.
Den Kaffee habe ich ausgetrunken.
Inzwischen.
Und er hat mir geschmeckt…
Ich schließe die Augen.
Und versinke halb in einer Schaumburg.
Ist das Leben nicht schön?
Einfach herrlich?
Irgendwann rubble ich meinen Körper trocken.
Creme mein Gesicht ein.
Und frag mich unvermittelt.
Ob ich schon alt aussehe…
Aber ist das nicht egal?
Irgendwann werde ich alt aussehen.
So oder so.
Irgendwann muss ich mein Haar färben.
Nicht nur aus einer Laune heraus.
Irgendwann werden sie nichts mehr nutzen.
All die Cremes für das Gesicht.
Vielleicht haben sie nie etwas gebracht…
Aber das macht nichts.
Jetzt geht es mir gut.
Jetzt lebe ich.
Jetzt!
Dann liege ich wieder auf der Couch.
Bewaffnet mit der Fernbedienung.
Und es regnet noch immer.
Der Himmel ist bedrohlich dunkel geworden.
Aber das stört mich nicht.
Ich döse ein.
Bei einer neuen Arztserie.
Und die Fernbedienung gleitet mir aus der Hand.
Ganz sanft…
Vivienne/Gedankensplitter