So viel stärker als er – Gedankensplitter

Wenn ich heute so nachdenke…
Es war gut zu gehen.
Ihn aus meinem Leben zu streichen.
Wie immer man jetzt sagt.
Es war klug und weise…
Es geht mir besser.
Seither.
Ich bin aufgeblüht.
Und stärker geworden.
So viel stärker.
Wie ein Samenkorn.
Das sich den Weg ans Licht gebahnt hat…
Zentnerschwer ist er auf meiner Seele gelegen…
Aber manchmal schien er auch die Kraft zu sein.
Die mich nach oben trug.
Scheinbar.
Ich begriff lange nicht.
Dass er mir nicht gut tat.
Überhaupt nicht.
Spielball seiner Gefühle.
Mal hochgelebt.
Weil es ihm gefiel.
Dann wieder nach unten gedrückt.
Mit Allmacht.
Bizarr dieses Auf und Ab.
Und quälend.
Demütigend….

Wie könnte man ihn beschreiben?
Zerrissen.
Auf jeden Fall.
Und voller Angst…
Wovor?
Ich habe nie herausgefunden.
Was seine größte Triebfeder war.
Aber ich musste es büssen.
Wenn die Selbstzweifel ihn plagten.
Dann brauchte er jemanden.
Der sich noch mieser fühlte als er…
Warum ich mir das gefallen ließ?
So lange Zeit?
Ich weiß es nicht.
Weil ich einmal an ihn glaubte.
Und an das, was er tat.
Er schien stark zu schien.
Und war doch Gefangener seiner Emotionen.
Die immer ihn kontrollierten.
Und nicht er sie…
Gefühle.
Wie die Tastatur eines Klaviers.
Endlos in ihrer Vielschichtigkeit.
Ich ging mir ihm durch die Hölle.
Und doch brachte er mir auch ein Stück vom Himmel.
Immer wieder.
Nur schmeckte es mir nicht mehr.
Eines Tages.

Was ich ihm war?
Ich denke nicht mehr nach darüber.
Wusste er es selbst überhaupt?
Gott allein weiß es…
Er hat mich zu Boden geschlagen.
Mit Worten.
Verletzender als ein Rasiermesser.
Blutend aus meiner Seele…
Und doch nahm er mich immer wieder mit.
Auf seine Ausflüge in die Gefilde des Glücks.
Oder war es doch nur Talmiglanz?
Es war mir egal.
Schließlich.
Irgendwann wollte ich nur mehr weg.
Ich bekam kaum noch Luft zum Atmen.
Und ich wollte wieder leben.
Außerhalb der Achterbahn.
Ich selbst sein.
Nicht abhängig von seinen Gefühlen.
Die wechselten wie das Wetter im April.
Und darum ging ich…
Ich begriff.
Ich war so viel stärker als er.
Er brauchte mich.
Aber ich nicht ihn.
Ich konnte ohne ihn leben.
Und es ging mir besser dabei…

Was war er schon?
Auch das habe ich nie herausgefunden.
Hinter all den Masken nichts.
Ein Zwiebelmensch.
Der nach der Häutung in sich zerfällt.
Nichts ist ohne die, die sich benutzen lassen.
Die sich benutzen lassen.
So wie ich.
Ich weiß, was er denkt und fühlt.
Als säße ich ihn seinem Inneren.
Er war ein Teil von mir.
Doch ich bin ihm entwachsen.
So viel stärker als er…

Vivienne/Gedankensplitter

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