Was niemanden etwasangeht – Gedankensplitter

Meine Seele.
Bisweilen weint sie.
Ohne dass man Tränen sieht.
Aber ich bin dann traurig.
Empfindsam.
Oder auch grantig.
Über Gebühr.
Die Schwierige!
Munkeln sie dann.
Heute kann sie es aber wieder.
Ja, ich kann es.
Ich mache viel.
Um meine Tränen zu bemänteln.
Um nicht zu weinen.
Um nicht zu klagen.
Was mir wirklich fehlt.
Ich gebe es nicht zu.
Weil es niemanden etwas angeht.
Es macht mich verletzbar.
Angreifbar.
Und sie sollen mich in Ruhe lassen…

Nein.
Ich möchte nicht darüber reden.
Depression.
Teil meines Lebens.
Seit ich ein Kind bin.
Es ist meine Sache.
Ganz allein.
Und ich weiß.
Wo ich Hilfe bekomme.
Wann immer es nötig ist.
Ich muss es nicht breit treten.
Und was ich nicht brauche.
Sind angeblich gute Ratschläge.
Die ich nie erbeten habe.
Anonym.
Von Besserwissern.
Was weiß ich?
Wie  man sie sonst nennen sollte?
Ich muss nicht meine Breitseite bieten.
Für Angriffe.
Die Krankheit ist schlimm.
Sie lauert oft versteckt.
Und lässt mich manchmal hoffen.
Es wäre endlich vorbei…
Das ist es aber nicht.
In der Krise kehrt sie wieder.
Die Depression.
Wie sich der Sturm zum Regen gesellt.
Und der Donner zum Blitz…

Ich will nicht darüber reden.
Nicht lange und nicht breit.
Weil es nichts bringt.
Und selbst Mitleid…
Es tut nur weh.
Ich will mich zurückziehen.
Wenn es mir nicht gut geht.
In mein Schneckenhaus.
Niemand soll mich so sehen.
Lieber tarne ich mich.
Mit schlechter Laune.
Mit unleidigem Blick.
Sollen sie reden.
Besser als sie würden sehen.
Dass ich weine.
Dass es mir nicht gut geht.
Dass ich leide…
Aber das geht niemanden etwas an!

Vivienne/Gedankensplitter

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