Was würdest du tun? – Gedankensplitter

Der Gedanke war plötzlich da.
Stark.
Fast übermächtig.
Ich sehe dein Gesicht vor mir.
Ganz deutlich.
Obwohl es Jahre her ist.
Dass ich dich gesehen habe.
Dass wir gesprochen haben.
Miteinander.
Bevor du geflohen bist.
Vor mir und vor der Wahrheit.
Feige und rückgradlos.
Verachtenswürdig.
Ein netteres Wort gibt es nicht für dich!

Was würdest du tun?
Wenn du mich sehen würdest?
Heute?
Würdest du wieder davonlaufen?
Wie der Hase vor dem Jäger?
Und Haken schlagen auf der Flucht?
Oder würdest du auf freundlich machen?
Auf die guten alten Zeiten…
Frei nach dem Motto:
Ich probiere es einfach aus.
Ist doch Jahre her…
Ob du dich verändert hast?
Ich denke nicht.
Du bist der geborene Looser.
Ein Versager.
Das wurde schon an deiner Wiege gesungen.
Geliebt habe ich dich trotzdem.
Aus mangelndem Selbstwertgefühl heraus.
Weil ich mich selber hasste.
Und ich mich an dir aufrichten wollte…
Eine Dummheit.
Ich bezahlte sie mit Tränen und Leid.
Und großer Enttäuschung.
Aber ich lernte auch mich selber zu verstehen.
Viel besser als zuvor.

Was würdest du tun?
Wenn ich plötzlich vor dir stehen würde?
Wenn ich Erklärungen fordern würde?
Und Entschuldigungen?
Oder gar deinen Kopf?
Verdient hättest du es.
Aber wenn ich ehrlich bin.
Du verdienst es im Leben zu bleiben.
Und zu leiden.
Ein Versager zu sein.
Der an sich selber zugrunde geht.
Der im Bewusst sein der eigenen Unzulänglichkeit verzweifelt…
Was würdest du tun?
Während ich mir das vorstelle.
Muss ich plötzlich lächeln.
Ich wische die Gedanken weg.
Und blicke durch das Fenster.
In den strahlend blauen Sommerhimmel…
Ins bunte Leben…
Wozu darüber den Kopf zerbrechen?
Jetzt noch?
Über dich?
Du hast wie ein Krebsgeschwür in meinem Leben gewütet.
Das ist wahr.
Ich ließ es zu.
Aber du bist fort.
Gott sei Dank.
Ich brauche dich nicht!
Du selber hast mich von dir geheilt…

Vivienne/Gedankensplitter

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