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28.06.2005, © Vivienne

Ein Tag im Bad

Der Sommer war da! Endlich! Und diesmal ließ ich Albert nicht in Ruhe, Sonntag nach dem Mittagessen bestand ich darauf, dass er mich ins Bad brachte – und sich selbst mit! Und nun döste ich schon eine halbe Stunde in der Sonne! Herrlich! Ali hatte mir den Rücken mit Sonnencreme eingerieben, ich hatte Hand an ihn gelegt und dann waren wir zu zweit im Wasser verschwunden. Das erste Mal in diesem Jahr! Hatten mir die kühlen Fluten zunächst noch fast den Atem geraubt, fühlte ich mich nach Minuten wie im siebten Himmel. Ich trug meinen neuen Badeanzug vom C&A und robbte gemütlich durch das Wasser. Ali machte sich den Spaß und tauchte mich von hinten unter, was ich natürlich bestrafen musste: ich zog ihm seine dunkelblaue Badeshort halb herunter, was er jedoch wieder anders auffasste. Typisch Mann!

Jetzt ließ ich mich also von der Sonne wieder trocknen. Ich lag auf dem Bauch, mit geschlossenen Augen und nahm die Geräuschkulisse rund um mich auf. Lachen, Schreien, Plantschen… Schließlich drehte ich mich wieder auf den Rücken und blinzelte. Wo war Ali? Eine Sekunde später wusste ich es: Ali war Eis holen gewesen und ließ ein Magnum auf meinen Bauch fallen. Ich ärgerte mich nur eine Sekunde. Meinem Mann gefiel es doch auch im Bad, ich verstand einfach nicht, warum er sich immer so bitten ließ. Ali legte sich neben mich und wir starteten einen Wettbewerb im Eis schlecken. Obwohl ich mich ernsthaft ins Zeug legte: Ali gewann, er hatte wohl die größere Zunge, da war ich eindeutig im Nachteil…

„Na, was ist?“ begann mich Ali zu nötigen. „Gehen wir wieder ins Wasser?“ Ich war so müde, aber ich wagte nicht zu protestieren. Wir ließen uns im Wasser treiben, bis Ali die kindische Idee hatte, sich auf mich zu legen. Mit dieser nachgestellten Szene aus „Titanic“ gingen wir aber beide baden. Ich schluckte so viel Wasser… Jack, wollte sagen, Ali, rettet mich aber und schließlich standen wir beide im Wasser und beobachteten das Treiben im Freibad. Ein paar Grazien flanierten am Rande des Beckens. In ihren Stringbikinis stellten sie viel Haut zur Schau. Faste mechanisch folgte ich Alis Blick und fragte mich, ob ihm die scharfen Mädels wohl gefielen.

Ali drehte sich daraufhin wieder zu mir. „Bist du eifersüchtig?“ Ich schüttelte den Kopf. Ich wusste es selbst nicht, aber ab und an kämpfte ich immer wieder mit Selbstzweifeln. Konnte es normal sein, dass ein gut aussehender Mann wie Ali so selbstverständlich bei einer älteren wie pummeligen Frau wie mir blieb? Oder besser gesagt: Durfte ich immer darauf hoffen? Ali tauchte mich wieder unter. Als ich prustend hoch kam, lachte er lauthals. „Du bist eifersüchtig, ich sehe es dir doch an der Nasenspitze an. Auf diese überbackenen Leberkäsestückerl, überbräunt fast wie ein Nutellabrot. Ich verstehe dich nicht!“ Ich musste lachen, was für ein herrlicher Vergleich. Ali wusste genau, wie er mir den Wind aus den Segeln nehmen konnte.

„Aber warum schaust du dann zu ihnen hinüber?“ bohrte ich nach. Ali wollte mich gleich wieder unter Wasser tauchen, aber diesmal war ich schneller. „Schaust du selber nicht?“ Mein Mann packte mich an der Schulter und zog mich an sich. „Wie war das denn mit dem schlaksigen Blonden vor fünf Minuten? Du hast ihm nachgesehen wie paralysiert!“ Ich rang nach Worten. Natürlich stimmte diese Feststellung, der Dünne hatte wirklich einen süßen Hintern gehabt ohne dass ich mir viel dabei gedacht hatte. „…so was geht im Reflex…“ begann ich herum zu stottern. Ali lachte laut. Er konnte sich fast nicht beruhigen. Schließlich tauchte er mich wieder unter. Heute lebte er, der Skorpiongeborene, entschieden seine sadistischen Neigungen an mir aus. Meine Augen brannten schon und mussten ganz rot aussehen, davon war ich überzeugt.

„Glaubst du nicht, dass es bei mir ähnlich ist?“ meinte er später, als er mich abtrocknete und mir Augentropfen verabreichte. „Was interessieren mich andere Frauen? Nicht mehr als dich andere Männer! Ich schau halt mal gern hin…“ Ali hatte wieder begonnen mich mit dem Sonnenschutz einzucremen. Seine sanften Bewegungen taten mir gut. Seine Worte streichelten meine Seele. „…wenn ich dich nicht mehr wollte: warum hätte ich dich heiraten wollen? Genau genommen warst du diejenige die sich bitten ließ! Und überhaupt…“ Plötzlich hielt er in seinen kreisenden Bewegungen inne. „…glaubst du nicht, dass ich auch manchmal fürchte, meine spröde Vivi könnte vielleicht von jemand anderem als mir mehr angetan sein? Glaubst du nicht, ein Mann zweifelt nicht bisweilen auch an sich selbst?“ Ich lehnte mich an ihn, die Augen geschlossen. Ali hatte nicht Unrecht mit seinen Überlegungen, aber das vergisst man als Frau mit latentem Minderwertigkeitskomplex oft schnell…

Vivienne
 

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