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28.07.2005, © Vivienne
Der Erbschaftszwist…
es ist ein rechtes Kreuz! seufzte mein Cousin Hubert am Telefon. und darum wäre ich dir echt dankbar, wenn du diese Woche ein wenig nach Sigrid schauen könntest. Natürlich meine ich euch beide, aber das weißt du ohnedies. Wenn ich morgen auf das Begräbnis der Mali-Tant fahre, möchte ich sie nicht mitnehmen, schon wegen unserer kleinen Tochter nicht. Erstens hat Sigrid starke Kreislaufprobleme, die Schwangerschaft verstärkt das alles noch, zweitens weiß ich zu verhindern, dass meine Familie in diese Streitereien hineingezogen wird. Es reicht wirklich, wenn ich mir den Wirbel antun muss.
Ich nickte. Natürlich, tun wir das, aber du bist doch ohnedies nur ein paar Tage weg, oder? Und überhaupt, Sigrid hat doch erst Ende September den Geburtstermin, nicht wahr? Du musst dir also keine Sorgen machen! Ich fühlte eine gewisse Skepsis durch den Telefonhörer durch, denn Hubert seufzte laut. Ja, da hast du schon recht, aber ich weiß momentan nicht, wo mit der Kopf steht. Zwei, drei Tage in den Pongau, wo mein Vater und seine Familie her sind, und wo sich seine Schwestern gerade bekriegen und weiter bekriegen werden. Nur des lieben Geldes wegen, ich könnte mir die Haare raufen. Ausgerechnet jetzt muss ich meine Sigi allein lassen So hektisch kannte ich meinen Cousin gar nicht. Sonst war er nämlich die Ruhe selbst, aber der Erbschaftsstreit schien ihn wirklich aus dem Konzept zu bringen.
Du, Hubsi Ich wählte meine Worte vorsichtig und mit Bedacht. worum geht es da eigentlich bei diesem Familienzwist? Es geht mich zwar nichts an, aber ehrlich: bei all deinen Andeutungen kenne ich mich jetzt überhaupt nicht mehr aus. Hubert lachte, aber es klang nicht ganz echt. Im Grunde ist es wie gesagt nur ein Streit ums Geld, ich muss es dir nicht erst näher erklären: wo es um Cash geht, werden die Menschen wie die Geier, gerade die älteren Leute, von denen man annehmen könnte, dass die ohnedies andere Sorgen haben und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern sollten Ja, ich kann dir das schon erzählen, Vivi, wenn du ein wenig Zeit hast. Er räusperte sich und ich hörte ihn ein paar Worte mit seiner Frau Sigrid wechseln. Dann wandte er sich wieder an mich.
Also pass auf, Vivi. Mein Vater hatte vier Geschwister, einen Bruder, der um einiges älter war und drei Schwestern. Harald, dieser Onkel von mir, heiratet eine reiche Frau, die einzige Erbin eines Kaufmanns aus der Stadt. Die beiden blieben kinderlos, tragischerweise, worunter die beiden ihr ganzes Leben gelitten haben. Vor etwa zwanzig Jahren starb nun Onkel Harald an einem Herzinfarkt, und eine meiner Tanten, die Kathrin, begann sich um die Mali, so hieß Haralds Frau, zu kümmern. Mali ist in den letzten Jahren mehr und mehr ein Pflegefall geworden und man muss es der Kathrin schon auch anrechnen, dass sie da ein Auge darauf hatte, dass es der Mali, unserer Mali-Tant, nicht schlecht ging. Ganz im Gegenteil, sie machte sogar Ausflüge mit ihr und Mali kam auch regelmäßig ein wenig unter die Leute. Bis zu ihrem Schlaganfall vor zwei Jahren halt
Ich war ganz Ohr und schließlich unterbrach ich meinen Cousin mit einem ironischen Grinsen. Ich nehme an, es ging vorrangig um das Erbe, da irre ich mich ja nicht? Oder formulieren wir es nicht so deftig: das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Deine Tante Mali sitzt oder saß ja auf jeder Menge Geld, nicht wahr? Irgendwer musste das Geld doch bekommen und warum nicht Katrin? Hubert lachte auf bei meinen Worten. Ich sehe, du hast verstanden, worauf ich hinaus wollte. Katrin hat selber fünf Kinder, ihr älterer Sohn ist selbständig, die beiden jüngeren studieren. Offensichtlich kann die Katrin Geld gut gebrauchen. Wer nicht, wenn wir ehrlich sind? Aber Kathrin hat sich etwas dabei gedacht, als sie begann sich um die Mali zu sorgen. Eine Investition in die Zukunft, sozusagen.
Ich nickte. Ich verstehe, was haben deine beiden anderen Tanten dazu gesagt? Hubsi kam nun mehr ein wenig vergnügter herüber als noch zu Beginn des Telefonats. Die zwei, Anna und Conni, haben sich vorher nicht so viel darum gekümmert. Bis nach Malis Schlaganfall bekannt wurde, dass es ein Testament gibt und Katrin die Universalerbin ist. Da war dann der Teufel los und die geschwisterliche Eintracht ging den Bach hinunter. Ich bin froh, dass sich das mein Vater nicht mehr mitmachen musste, er starb ja vor einigen Jahren bei einem Autounfall, Sekundenschlaf. Habe ich dir das einmal erzählt? Jedenfalls verkehren die Tanten seither nur mehr via Rechtsanwalt miteinander. Momentan ist jedenfalls Feuer am Dach, und angeblich wollen Anna und Conni sogar das Testament anfechten.
Geld verändert die Menschen, das war mir nichts Neues. Trotzdem interessierte mich schon, wie Hubsi zu der großen Erbschaft stand. Sag, und selber? Hast du keine Lust zu erben? Im ersten Moment war Hubert wie vom Donner gerührt, dann aber zerstreute er alle meine Zweifel. Schau. Vivi, wenn es problemlos und unkompliziert Geld für Sigrid und mich geben würde, ich würde es nicht ablehnen. Aber mich in diesen Zwist einzumengen, ist unwürdig. So notwendig brauchen wir das Geld nicht, auch wenn wir demnächst ein zweites Kind erwarten. Glaub mir, Vivi, vom Geld wird ohnedies nicht viel bleiben, weil die Rechtsanwälte der beiden Seiten alles kassieren werden. Und ich mische mich auch nicht ein, ich gehe nur auf Malis Begräbnis und bleibe bis zur Testamentseröffnung. Mehr interessiert mich ehrlich nicht
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