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09.04.2005, © Vivienne
Berechnung und Freundschaft
Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben.
Menschen, die mir Freundschaft heuchelten.
Bisweilen auch tiefere Gefühle.
Wie Liebe.
Und die doch nur eines suchten.
Den Vorteil in mir.
- Meine Kreativität.
- Meine Hilfsbereitschaft.
- Meine Energie und Kraft.
Und nichts anderes.
Wie eben erst kürzlich wieder.
Ich bin ein kommunikativer Mensch.
Gehe auf die Menschen zu.
Ich verstecke mich nicht.
Wenn es darauf ankommt.
So suchte ein junger Mann meine Bekanntschaft.
Mit liebevollen Worten.
Und Zitaten.
Wohl wissend, dass ich die Sprache der Klassiker liebe.
Aber fast zu viel der Worte.
Zu viel des Interesses.
Ich hatte ein komisches Gefühl
Man traf sich.
Und ins Gespräch wurde auch gleich ein Angebot an mich verpackt.
Für mich nicht ganz unerwartet.
Ein Angebot an meine Kreativität.
Kostenlos.
Nichts Neues.
Ein schaler Geschmack bleibt.
Nicht nur wegen des Angebotes.
Das ich ablehnte.
Ohne viel zu überlegen.
Der junge Mann brach den Kontakt ab.
Ohne Erklärung.
Keine Freundschaft.
Nur Berechnung
Man könnte zynisch werden.
Nicht dass ich Leute wie diesen jungen Mann um mich brauche.
Allein ist man besser daran als sie.
Und im Gegensatz zu früher durchschaue ich sie jetzt leicht.
Ich erkenne den Kern der Sache schnell.
Mir fällt dazu eine Sache ein, die mehr als fünfzehn Jahre zurückliegt.
Es läutete an der Haustür.
Ich öffnete.
Ein Mann stand vor der Tür.
Überfiel mich mit einem Schwall Worten.
Und drückte mir eine Zeitschrift in die Hand.
Ich begriff nicht gleich, worum es ging.
Er sei arbeitslos gewesen.
Erklärte er.
Und verkaufe jetzt Abos.
Er wäre so arm dran.
Brauche dringend Geld.
Und ich möge mich doch solidarisch zeigen.
Und ihm ein Abo abkaufen.
Ich hatte keine Lust.
Aber auch nicht die Kraft einfach die Tür zuzumachen.
Und zu gehen.
Schließlich nahm mir der Typ die Zeitschrift wieder weg.
Und ging.
Er hatte eingesehen, dass ich mich nicht überreden ließ.
Und wurde schließlich sogar ziemlich unfreundlich.
Ich verstand zuerst nicht.
Aber dem Mann war es nur um ein Abo gegangen.
Nicht um mich.
Die Geschichte war wahrscheinlich nur gelogen.
Er hätte alles erzählt, damit ich ein Abo kaufe
So wie dieser Zeitungskeiler sind viele Menschen in meinem Leben gewesen.
So wie ihn habe ich manchen nicht gleich durchschaut.
Aber ich habe dazugelernt.
Nach mancher Blessur.
Meine Devise ist:
Karten auf den Tisch.
Kommen wir zum Punkt.
Wenn sich Streu vom Weizen scheidet…
Dann zeigt sich was unter der Fassade liegt.
Ich brauche keine Menschen um mich die mich nur gebrauchen.
Und glücklich werde ich nur mit einem werden.
Der vorbehaltlos an mich herantritt.
Und mein Innerstes sucht.
Und nicht meine Schaffenskraft
Vivienne
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