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05.06.2005, © Vivienne

Dein Schweigen tut weh

Worte hast du nie viel gemacht.
In das Strahlen deiner Augen hat mich verliebt.
Und in deine Zärtlichkeit.
Es hat mich damals nicht gestört.
Dein Schweigen.
Warum auch so viel der Worte?
Man kann so viel zerreden.
Bis es unerträglich wird.
Ich glaubte in deinen Augen viel mehr zu lesen.
Schöner als Worte.
Worte, wie sie kein Dichter je formulieren könnte.
Mit den Jahren ist das Strahlen deiner Augen verschwunden.
Sie wirkten oft kalt auf mich.
Verschlossen.
Wie deine verschränkten Arme.
Abwehrend.
Und zärtlich warst du auch nicht mehr wirklich.
Ich hungerte nach dir.
Nach deiner früheren Wärme.
Nach der Geborgenheit, die ich einmal bei dir fand.
Du redestet nicht mehr mit mir.
Nein.
Dein Schweigen ist wie eine Mauer.
Du hast sie aufgebaut zwischen uns.
Ja.
Du benutzt dein Schweigen als Waffe.

Du redest nichts mehr mit mir aus.
Du schweigst.
Verletzend kalt.
Wenn du sauer bist.
Wenn du wütend bist.
Oder wenn du etwas erreichen willst.
Wenn du dich durchsetzen willst.
Gegen mich.
Kein Wort kommt mehr über deine Lippen.
Ein Grab verströmt mehr Wärme.
Dein Schweigen tut weh.
Wie ein Messer, das du in meinen Körper stichst.
Jedes mal wieder.
Aber ich habe dich durchschaut.
Einige Zeit hat es gedauert.
Ich suchte die Schuld zuerst bei mir!
Für dein Schweigen!
Wie lächerlich!
Wie dumm von mir!
Und ich gab so oft nach.
Immer wieder.
Weil du so kalt warst.
Ich bettelte um deine Worte.
Um deine Wärme.
Und du hast mich tanzen lassen.
Wie eine Marionette an den Fäden.
Im Grunde war ich so dumm.
Ich ließ mich von dir demütigen.
Du hast mich deine Macht spüren lassen.
Die Macht, die du über mich hattest.
Die ich dir selber gab…

Diese Macht…
…du hast sie nicht mehr.
Dein Schweigen prallt jetzt ab von mir.
An der Mauer, die ich selbst gebaut habe.
Um mein Innerstes.
Um meine verletzbaren Gefühle.
Gegen dich.
Gegen dein schmerzendes Schweigen.
Du tust mir nicht mehr weh.
Es hat dich erstaunt, das merkte ich.
Nach und nach eroberte ich Terrain zurück.
Ich ließ dich stehen.
Schweig doch mit wem du willst!
Lass doch deine Macht spüren, wen du willst!
Deine vermeintliche Macht…
Die doch nur durch die Zerstörungskraft deines Schweigens Leben findet!
Dein Schweigen war wie ein Geschwür.
Das alles überwucherte.
Aber nicht mehr mich!
Früher bettelte ich um deine Worte.
Heute schenkt sie mir jemand anderer.
Und sein Herz ist ein offenes Buch.
Ich komme kaum nach mit dem Lesen.
Und mit dem Hören…

Vivienne/Gedankensplitter

 

 

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