Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  Dezember 2004



Lillys Gedanken zu Weihnachten

Markt und Straßen stehen verlassen,
still erleuchtet jedes Haus…

Joseph von Eichendorf würde staunen.
Staunen, was aus seiner Welt geworden ist.
Das die ehemals stillste  Zeit im Jahr die Menschen hektisch macht!
Wusste man im 19. Jahrhundert überhaupt was hektisch ist?
Vermutlich nicht.
Kaum jemand der Unterschicht konnte lesen und schreiben.
Lebte in geordneten Verhältnissen.
Oder hatte genug zu essen.
Dafür waren die „Oberen“ blind.
Jene, die Weihnachten feiern konnten.
Bisweilen schon Bäume in den Wohnzimmern stehen hatten.
Mit bemalten Holzfiguren, Nüssen und Äpfeln schmückten.
Holzspielzeug lag unterm Baum.
Und das Kerzenlicht verbreitete mildes Licht…

Die Faszination ist ungebrochen.
Kerzenlicht das sich auf glänzenden Kugeln spiegelt.
Oder in glücklichen Kinderaugen.
Die Bescherung sieht anders aus.
Vielleicht wird ab und an noch ein Glöckchen geläutet.
Um die Kinder unter den Baum zu rufen.
Aber nur ab und an.
Kinder gibt es nicht mehr so viel.
Wenn, dann höchstens eins oder zwei.
Kinder kosten Geld.
Kinder kosten Zeit.
Kinder kosten Spaß.
Obwohl sie das größte Glück sein sollten.
Eines der wichtigsten Kirchenfeste des Jahres.
Die Menschheit – gerettet durch ein Kind.
Symbolisch liegt die Zukunft der Menschheit in ihren Kindern.
Aber man ist zu bequem geworden.
Viel zu bequem.

So beschenken sich immer öfter nur Erwachsene.
Wenn überhaupt.
Weihnachten lässt viele gleichgültig.
Was interessiert  mich Gott?
Was interessiert mich sein Sohn?
Andere machen ihrem Ärger Luft.
Pure Kaufsucht!
Reines Konsumfest!
Advent – die Zeit der Räusche!
Keine stille Zeit.
Oft nur Vorwand sich zu betrinken.
Andere ersticken ihre Familien in teuren Gaben.
Nichts ist zu exklusiv.
Nichts zu kostspielig.
Aber das Wichtigste gerät ins Hintertreffen.
Gemeinsame Zeit.
Liebe.
Zärtlichkeit.
Aufmerksamkeit.
Eigentlich sollte Gottes Sohn gedacht werden.
Seine Geburt hat Licht gebracht in eine Dunkelheit.
Die viele tausend Jahre gedauert hatte.

Wer weiß das noch?
Es wird so viel kritisiert an der Kirche.
Nicht zu Unrecht.
Trotzdem ist erschreckend, wie wenig die Leute über „ihre“ Kirche informiert sind.
Zu der sie wenig Gutes äußern.
Obwohl ihr Wissen im Grunde marginal ist.
Nehmen wir ein Beispiel.
Maria Empfängnis.
Sagen Sie auch:
An dem Tag wird Jesu Zeugung gedacht.
Mit unverhohlenem Lachen?
Welch eine kurze Schwangerschaft!
Aber wie weit gefehlt!
Das Fest, dass diese und andere meinen, ist nämlich Maria Verkündigung.
25. März.
Genau neun Monate…
Ja.
Nicht wenige kritisieren.
Und haben eigentlich keine Ahnung von elementaren Dingen dieser Kirche…

Ich will hier niemandem predigen.
Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.

Ich rede keinem drein.

  • Weihnachten verkommt oft zum Konsumrausch.
  • Die Kirche lebt veraltete Werte.

Oft uneinsichtig.
Und stur.
Wo bleibt der Sinn von Weihnachen?
Wenn nur Prestigeschenken angesagt ist…?
Wir finden ihn in uns selbst.
Und im Wissen, dass es an uns selber liegt.
Diese Feiertage besonnen anzugehen.
Mit Wärme und Herzlichkeit untereinander.
Auch in dem Bewusstsein, dass uns Gott seinen eigenen Sohn als Geschenk gemacht hat.
Manch einer tut sich schwer mit dieser Vorstellung.
Wer weiß ob es Gott gibt…!
Und vielleicht ist alles nur eine fromme Mär?
Wir wissen es alle nicht.
Nicht mit Bestimmtheit.
Aber jeder kann aus Weihnachten etwas Besonderes machen.
Ob er nun glaubt oder nicht.
Für sich.
Für seine Familie.
Und darin den eigenen Frieden finden…

Vivienne

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